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Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Was versteht man unter der Diagnose: Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel?

Unter der Bezeichnung: Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) versteht man die häufigste, aber harmlose Schwindelform beim Menschen. 2 von 100 Personen sind davon betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die Erkrankung tritt meist in höherem Alter, oft zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr auf.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel – die Symptome:

Die Betroffenen klagen über kurze heftige Drehschwindelattacken, die beim Hinlegen, bei Kopfdrehungen oder beim Hinauf- oder Hinunterschauen auftreten.
Viele Patienten leiden während des Schwindelanfalls gleichzeitig an Übelkeit oder Erbrechen. Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist ungefährlich, stellt aber für die Betroffenen eine große psychische Belastung dar.

Es besteht dabei auch die Gefahr, während einer Schwindelattacke zu stürzen.
Das Schwindelgefühl verschwindet oft nach kurzer Zeit auch ohne Behandlung wieder, es kommt aber bei 30-50 Prozent der Betroffenen innerhalb der nächsten zwei Jahre wieder erneut zu einem Schwindelanfall. Einige Patienten leiden über Monate hinweg mit großer Panik und Angst vor der nächsten Schwindelattacke. Die Patienten sollten in jedem Fall zeitnah einen HNO-Facharzt, ein Neurologe oder eine entsprechende Ambulanz in einem Spital aufsuchen, um abklären zu lassen, ob es sich bei ihren Symptomen um Benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel handelt und sich über eine Therapiemöglichkeit informieren.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel – die Ursachen:

Benigner paroxysmaler LagerungsschwindelAls Ursache des, für die Patienten sehr unangenehmen, gutartigen Lagerungsschwindels nimmt man die Ablösung der sogenannten Otokonien (Ohrsteine) aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr an. Otokonien sind aus Kalciumkarbonat bestehende, meist kleine Kristalle, die aber auch große Steine bilden können. Durch ihr Gewicht ist es dem Organismus möglich, Richtung und Beschleunigung der Schwerkraft wahrzunehmen.
Intakte Otokonien lösen sich meist durch ein Trauma nach einem Unfall oder einer Kopfverletzung (z.B.:Schädelhirntrauma, Schleudertrauma). Der gutartige Lagerungsschwindel kann auch durch eine Operation des Innenohres oder Entzündungen des Ohres ausgelöst werden. Wer an Migräne oder Morbus Meniere leidet, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko.
Degenerierte Otokonien, lösen sich meist mit zunehmendem Alter durch altersbedingte Veränderungen, daher ist das Risiko an benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel zu erkranken, mit zunehmendem Alter, höher.

Wie wird die Diagnose: Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel festgestellt?

Der Facharzt wird den Patienten nach dem genauen Verlauf, bzw. der Dauer und Häufigkeit der Schwindelattacken befragen. Danach wird ein spezieller Provokationstest (Lagerungsprüfung nach Dix Hallpike) durchgeführt.
Der Patient, der auf einem Untersuchungsbett sitzt, wird hierbei schnell hingelegt und sein Kopf zur Seite gedreht. Dabei beobachtet der Arzt, ob beim Patienten Schwindel und mit 1-2 Sekunden Verzögerung nach der Provokation, das typischerweise für diese Erkrankung unkontrollierbare Augenzittern entsteht (Nystagmus). Diese unkontrollierbare Bewegung der Augen gilt als Indikator für die Diagnose: Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, da man damit eine fehlende Koordination zwischen dem Seh- und dem Gleichgewichtssinn nachweist.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel – Therapieformen:

SchwindelEine medikamentöse Therapie ist meist nicht sinnvoll, da dadurch die zentralnervösen Vorgänge mitbeeinflusst würden. Das reine Vermeiden von Bewegungen, die das Schwindelgefühl auslösen, wird manchmal von Patienten angestrebt, verlängert aber nur die Dauer der Krankheit.
Die Behandlungsmöglichkeiten des Benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel liegen in bestimmten Folgen von Übungen der Körper- und Kopflagerung. Damit sollen die abgelösten Otholiten (Ohrsteine) aus den Bogengängen des Gleichgewichtsorganes nach außen befördert oder in eine stabile Position gebracht werden. Während der Behandlung können natürlich die typischen Schwindelgefühle auftreten.

Das Epley-Manöver zur Behandlung

Eine beliebte Methode zur Behandlung des Benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel ist das Epley-Manöver. Ziel, der 1992 beschriebenen Abfolge von Bewegungen ist es, die Ohrsteine mit Hilfe der Schwerkraft in Bewegung zu versetzen und aus dem Innenohr zu entfernen. Bei vielen Patienten führt bereits eine einmalige Durchführung zum gewünschten Ergebnis. Wichtig für einen Erfolg, ist, die Bewegungen des Kopfes schnell auszuführen.

Dabei sitzt der Patient aufrecht und mit gestreckten Beinen vor dem Arzt auf der Untersuchungsliege, den Kopf um 45 Grad zur betroffenen Seite gedreht. Er sollte während des Manövers die Augen geschlossen halten, um eine auftretende Übelkeit zu vermeiden. Aus der Ausgangsposition heraus, erfolgt eine rasche Lageänderung. Der Patient muss sich rasch auf den Rücken legen, wobei der Kopf über die Untersuchungsliege hinausragt und nach unten hängen soll. In dieser Lage treten die Symptome des benignem paroxysmalen Lagerungsschwindels und Nystagmus auf. Der Patient verharrt in dieser Lage bis die Symptome abgeklungen sind, mindestens aber eine Minute. Danach soll sich der Patient zur gesunden Seite um 90 Grad drehen und wieder auf das Nachlassen des Drehschwindels warten. Er dreht sich nun auf die gesunde Seite und verweilt auch in dieser mindestens eine Minute. Der Kopf bleibt in der vorherigen Position. Letztlich richtet sich der Patient wieder auf und kehrt wieder in die aufrechte Sitzposition zurück.

Hinweis: Eine ähnliches Befreiungsmanöver ist die Abfolge von Körper- und Kopflagerungsübungen nach Semont (Semont Manöver).


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