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Kristalle im Ohr: Wobei handelt es sich?

Kristalle im Ohr und Schwindel

Schwindel ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Vielmehr ist das Schwindelgefühl als möglicher Indikator für organisch-bedingte Erkrankungen, Angststörungen und psychischen Stress zu verstehen. Zudem können nach der Einnahme bestimmter Medikamente Schwindelgefühle als Nebenwirkungen in Erscheinung treten. Grundsätzlich reagiert der menschliche Organismus mit Schwindel, wenn ihm die für das Gleichgewicht verantwortlichen Sinnesquellen widersprüchliche Informationen übermitteln.

Verirrte Kristalle im Ohr begünstigen „gutartigen Lagerungsschwindel“

Abnutzungserscheinungen des im Innenohr angesiedelten Gleichgewichtsorganes lösen in der Regel das Beschwerdebild des „gutartigen Lagerungsschwindels“ aus. Als Auslöser hierfür sind gelöste Ohrsteinchen bzw. Kristalle im Ohr (Otolithen) identifiziert. Der „gutartige Lagerungsschwindel“ gilt als bundesweit häufigste diagnostizierte Schwindelform. Derartiger Schwindel geht primär mit den Symptomen Übelkeit und Erbrechen einher.

Prinzipiell sind Kristalle im Ohr in unser Gleichgewichtsorgan eingelagert. Über eine gelartige Membran sind die Kristalle im Ohr anhaltend mit dem Innenohr verbunden. Aufgabe der Otolithen ist die Messung der Linearbeschleunigung.

Morbus MeniereDie Kristalle im Ohr vermitteln daher dem menschlichen Gleichgewichtssinn die Erdanziehung, da sie als sogenannte „Makulaorgane“ ihr Gewicht fortwährend nach unten drücken. Lösen sich die Ohrsteinchen von ihren Membranen, fallen die gelösten Kristalle im Ohr oft in einen der drei Bogengänge. Im Zuge dessen bewegen sich die Kristalle im Ohr unkontrolliert in der Innenohrflüssigkeit umher. Schwerkraftbedingt gelangen die in der Innenohrflüssigkeit schwimmenden Ohrsteinchen überwiegend in den hintersten Bogengang, der verhältnismäßig tief angesiedelt ist.

Jede Regung von Kopf und Körper versetzt die Innenohrflüssigkeit in Schwingung bzw. Bewegung. Die verirrten Kristalle im Ohr intensivieren die jeweiligen Flüssigkeitsbewegungen. Aufgrund dessen werden übermäßig starke Nervenimpulse an den Organismus weitergegeben. Im Anschluss an die Fehlinformationen erhält das Gehirn Messwerte, die in Diskrepanz zu der Realität stehen. Das Gehirn leitet somit falsche Messungen weiter. Dies verursacht bei Betroffenen das Gefühl von Drehschwindel.

Allerdings sind nicht alle Bewegungen des Kopfes mit einer Flüssigkeitsbewegung im Innenohr verbunden. Deshalb entsteht der Drehschwindel lediglich, sofern sich die Flüssigkeiten des betroffenen Bogenganges bewegen. Dies wird durch spezielle Lagerungen des Kopfes forciert.

Diagnose

Schildern Patienten dem HNO – Mediziner typische Symptome, die das Vorliegen eines „gutartigen Lagerungsschwindels“ vermuten lassen, führt der Spezialist eine klinische Untersuchung sowie eine Funktionsüberprüfung des Hör- und Gleichgewichtsorgans durch.

SchwankschwindelAussagekräftig für die Diagnose ist die sogenannte „Lagerungsprüfung“. Zu diesem Zweck bringt der Spezialist den Patienten in eine Position, die explizit Schwindel provoziert. Während der Untersuchung trägt der Patient eine „Frenzel – Brille“.

Dies ist ein Instrument, um die Augen des Betroffenen stark zu vergrößern. Der Arzt analysiert zu Beginn der Untersuchung die Position der Augen bzw. deren Bewegungen in Ruhestellung. Während dieses Intervalls registriert der Mediziner grundsätzlich keine ungewöhnlichen Bewegungen.

Im Nachgang bringt er den Kopf des Patienten in eine spezielle Position. Reagiert der Patient mit typischen unwillkürlichen Augenbewegungen und Schwindel auf die spezifische Lagerung des Kopfes, weist dies auf gelöste Kristalle im Ohr hin.

Hinweis: In Einzelfällen ist das Ergebnis nach der „Lagerungsprüfung“ nicht eindeutig medizinisch einzustufen. In diesen Fällen schließen sich weitere spezifische Schwindeluntersuchungen an, die Pathologien des Gleichgewichtsorgans offenlegen sollen.

Therapie und Behandlung

Gilt die Diagnose nach Abschluss der Untersuchungen als gesichert, kann der Arzt mit der Therapie der gelösten Kristalle im Ohr beginnen. Zur Therapie führt der behandelnde HNO – Mediziner oder Neurologe bei dem Betroffenen spezielle „Lagerungsmanöver“ durch. Mit Hilfe der Übungen bzw. der gezielten Lagerungen befördert der Mediziner die gelösten Kristalle im Ohr in ihre ursprüngliche Position zurück. Finden die Ohrsteinchen an ihren korrekten Standort zurück, verursachen sie keine Beschwerden mehr.

Der Mediziner schwingt den Kopf des Betroffenen beherzt um 180°, so dass der Kopf auf die andere Seite gelagert wird. Die Zentrifugalkraft der vorgenommenen Bewegungen bewegt falsch positionierte Kristalle im Ohr wieder an ihren richtigen Standort.

Kristalle im OhrDerartige Methoden werden als „Befreiungsmanöver“ klassifiziert. Bei rund 60 % aller Patienten mit einem „gutartigen Lagerungsschwindel“ ist bereits ein einziges „Lagerungsmanöver“ ausreichend, um den Schwindel zu beseitigen.

HNO- Ärzte informieren ihre Patienten umfassend über spezielle „Manöver“, die Betroffene eigenständig zur Behandlung der Beschwerden durchführen können. Die Übungen orientieren sich an einer festgelegten Bewegungsabfolge. Das Einhalten der Muster ist zwingend erforderlich, um verirrte Kristalle im Ohr richtig zu positionieren. Die Übungen werden als „Epley- und Semont – Manöver“ bezeichnet. Namensgeber sind die Begründer der jeweiligen Techniken.

Der „gutartige Lagerungsschwindel“ zeichnet sich durch seine gute Prognose aus. Demnach gelten die Beschwerden, die auf falsch angeordnete Kristalle im Ohr zurückzuführen sind, zu 100 % als heilbar. Hat sich der Lagerungsschwindel bei Patienten bereits über ein verhältnismäßig langes Zeitfenster manifestiert, nimmt die Phase bis zur Beschwerdefreiheit allerdings ein größeres Intervall ein als bei frühzeitiger Therapie.


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