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Vestibuläre Migräne

Was ist vestibuläre Migräne?

Unter dem Begriff vestibuläre Migräne ist ein Migränekopfschmerz zu verstehen, der von hefigen Schwindelgefühlen, häufig auch zusätzlich noch von Übelkeit und Brechreiz begleitet wird. Die betroffenen Patienten leiden neben den typischen Migränekopfschmerzen und den üblichen Begleitsymptomen wie Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit und Müdigkeit, manchmal auch an Sehstörungen und Gefühlsstörungen, zusätzlich aber auch noch unter Schwindelattacken und Gleichgewichtsstörungen.

Diese können sich als Dreh– oder Schwankschwindel äußern, wenige Minuten aber auch viele Stunden lang andauern und sind oft sehr unangenehm. Geschätzt haben etwa 5 bis 8 Prozent aller an Migräne leidenden Menschen eine vestibuläre Migräne mit Beteiligung des Gleichgewichtsorganes. Oft kommt das Schwindelgefühl erst nach jahrelangen Migräne-Attacken als Begleitsymptom hinzu, vermehrt bei Frauen nach den Wechseljahren. Grundsätzlich kann eine vestibuläre Migräne aber in jedem Lebensalter auftreten und auch Kinder und Männer betreffen.

Gerade im Kindesalter kommt es immer häufiger bei sonst vollkommen gesunden Kindern zu periodisch wiederkehrenden Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen. Der Schwindel kommt dabei ganz plötzlich, dazu kommen auch noch unkontrollierbare Augenbewegungen (Nystagmus) sowie manchmal auch Sprach- und Koordinationsstörungen. Sie deuten auf eine vestibuläre Migräne hin, auch wenn der typische halbseitige Kopfschmerz fehlt.

Welche Ursachen hat die vestibuläre Migräne?

Vestibuläre MigräneDas ist bis heute nicht ganz klar. Es scheint eine genetische Veranlagung für das Leiden zu geben, zumindest sind familiäre Häufungen nachgewiesen worden. Aber auch äußere Einflussfaktoren spielen sicher eine Rolle bei der vestibulären Migräne. Stress und Hektik, Schlafmangel, Jetlag, seelische Erschütterungen oder sehr anstrengende körperliche Arbeiten kommen als Ursache infrage. Auch Durchblutungsstörungen und Hormonstörungen können eine Ursache sein. Die Wissenschaft hat inzwischen auch nachgewiesen, dass es ganz enge Verbindungen zwischen den Neuronen des Gleichgewichtssystems und dem schmerzverarbeitenden (nozizeptiven) System gibt und sich beide gegenseitig beeinflussen. Das Gebiet des Hirnstamms ist also entscheidend an der Entstehung des Kopfschmerzes und des Schwindels beteiligt, ohne das klar ist, wie diese Beteiligung abläuft.

Wie lässt sich die vestibuläre Migräne diagnostizieren?

Die Diagnose ist nicht einfach, weil es etliche andere Erkrankungen gibt, die ähnliche Symptome auslösen können wie die vestibuläre Migräne. So kommt es zum Beispiel auch bei Kreislaufproblemen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie bei epileptischen Anfällen zu ähnlichen Zuständen. Auch Morbus Meniere, eine Erkrankung des Innenohres macht ähnliche Beschwerden.

Eine besondere Schwierigkeit bei der Diagnose der vestibularen Migräne besteht darin, dass in manchen Fällen das Symptom Migräne-Kopfschmerz auch ganz fehlt, wobei allerdings die Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit und die Übelkeit trotzdem vorhanden sind.

Wie kann die vestibuläre Migräne behandelt werden?

An erster Stelle steht bei der Behandlung der vestibulären Migräne die Bekämpfung der Übelkeit und des Brechreizes.

Lagerungsschwindel ÜbungenDafür stehen den Ärzten heute sehr wirksame Medikamente zur Verfügung, die Antiemetika. Darüber hinaus werden bei der vestibulären Migräne teilweise die üblichen Migräne-Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin gegeben, bei schweren Migräneanfällen auch Triptane.

Gegen diesen Schwindel gibt es leider kein wirksames Medikament, er ist nach heutigem Stand der Medizin auch ebenso wenig heilbar wie die Migräne selbst. Betroffene können aber versuchen herauszufinden, in welchen Situationen das Leiden auftritt und dann zu versuchen, die Auslöser bzw. Trigger nach Möglichkeit zu vermeiden. Ärzte raten deshalb häufig zur Führung eines sogenannten Migräne-Tagebuches. In ihm wird eingetragen, wann und nach welchen Tätigkeiten oder Vorkommnissen die Anfälle auftreten, was vorher gegessen und getrunken wurde etc. Denn es ist durchaus möglich, dass auch bestimmte Lebens- und Genussmittel Auslöser der Migräne sind.

Andere Behandlungsmöglichkeiten der vestibuläre Migräne

Schwindel UrsachenAusreichend Schlaf, optimale Flüssigkeitszufuhr, weniger Stress und etwas Ausdauersport helfen oft ebenfalls, die Häufigkeit der Anfälle wenigstens etwas zu senken.

Manche Patientinnen und Patienten erzielen auch dadurch Behandlungserfolge, dass sie schon bei den allerersten Vorboten eines vestibulären Migräneanfalles reagieren und zum Beispiel Aspirin zur Blutverdünnung aber auch homöopathische oder andere pflanzliche Arzneimittel einnehmen, die zur Migränebehandlung oder Migräneprophylaxe empfohlen werden.

Auch wenn es keine belastbaren wissenschaftlichen Nachweise für die Wirksamkeit solcher Mittel gibt, helfen sie einem Teil der von der vestibulären Migräne Betroffenen recht gut und können die Migräneattacken zumindest deutlich abmildern.

Tipp: Das gleiche trifft auf Akkupunktur und Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga und Tai Chi zu. Sie helfen nicht jeden Betroffenen, aber es loht auf alle Fälle einen Versuch, das sehr unangenehme Leiden wenigstens etwas zu lindern, wenn schon nicht zu heilen.

Auf der anderen Seite ist es durchaus auch möglich, dass die vestibuläre Migräne, genau wie andere Migränearten auch, von selbst wieder verschwindet. Häufiger ist das zum Beispiel bei Frauen nach der Menopause der Fall, weil sich dann der Hormonstatus ändert.


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